Man hatte sie nicht eingeladen, trotzdem überquerten im November 2004 gleich mehrere Schwärme pink farbiger Wüstenheuschrecken, wie die Rote einer Unterart der Schistocerca gregaria, die Grenze von Ägypten nach Israel. Auch wenn dies kein alltäglicher Vorfall war, so reagierten die Behörden zunächst gelassen. Weiß man doch, dass diese gefräßigen Tierchen eine Temperatur von etwa 30 Grad bevorzugen, um zum Fressen zu landen. Es war aber schon recht kühl in den Gebieten um Eilat und in der südlichen Arava, auch rechnete man mit einem weiteren Rückgang der Temperaturen.
Trotzdem hatten Experten und Behörden ein Auge auf die Besucher aus Afrika, zu Recht. Denn einige Schwärme landeten doch in und um Eilat. Außer Dattelplantagen sowie
Zwiebel- und Kartoffelfelder einiger Kommunen im Süden des Negev war ein von unseren niederländischen Freunden gepflanzter Wald in Eilat Ziel der Hüpfer, die sich mit den frischen Setzlingen ein feines Mahl bereiteten. Den alten Teil des Waldes ließen sie unberührt.
Viele Naturfreunde in Israel machten sich auf den Weg in den Süden, um die Wanderung der Heuschrecken mit eigenen Augen zu sehen. Für manche Menschen, wie die thailändischen Gastarbeiter, sind Heuschrecken dank ihres hohen Eiweißgehaltes eine ausgesprochene Deliktesse. Da sie zudem auch koscher sind, kamen schnell einige Rezepte in Umlauf.
Wie beispielsweise auf Zypern oder den Kanarischen Inseln (auf Fuerta Ventura landete ein Schwarm von 100 Millionen Tieren und verscheuchte mit einem Mal sämtliche Touristen von den malerischen Stränden) beschloss man schlussendlich auch in Israel, in geringem Maße Sprühflugzeuge einzusetzen.
In einem vorerst abschließenden Bericht der zuständigen Behörden heißt es, dass sich der angerichtete Schaden in Grenzen hielt. Die Bedrohung durch die unwillkommenen Gäste ist jedoch noch nicht gebannt, denn man geht davon aus, dass sich einige Gelege im Boden befinden und nur auf das Ende der Regenzeit warten. Ist die Erde feucht und es wird wieder warm, kann mit einer neuen Generation der hübschen Vegetarier gerechnet werden. Die in Frage kommenden Gebiete werden deshalb im März ganz besonders genau „unter die Lupe“ genommen.
Unter geeigneten Umweltbedingungen kann diese Art der Wüstenheuschrecke von der harmlosen solitären Form in die Schaden stiftende, wandernde gregäre Form wechseln. Während die solitäre Form eher vereinzelt und unauffällig lebt, tritt die gregäre Form in riesigen Schwärmen auf, bei kleinen Schwärmen etwa 800 Millionen Tiere, bei den großen die unvorstellbare Zahl von 80 Milliarden. Der größte gemessene Schwarm hatte im Flug eine Ausdehnung von über 3000 km2! Wenn man bedenkt, dass der Tagesbedarf an Grünzeug etwa 2 Gramm pro Tier beträgt, ist die Bezeichnung „Schädling“ sicher verständlich.
Die solitären Heuschrecken sind grün oder braun. Kommt es in einem Gebiet zu einer starken Vermehrung und die Nahrung wird knapp, schließen sich die bis dahin solitär lebenden Insekten zu Schwärmen zusammen. Mit ihrem Verhalten verändern sie auch ihr Aussehen: sie tragen dann ein leuchtendes Gelb mit schwarzen Markierungen. Die Schwärme der Jungtiere wandern, die der erwachsenen Tiere fliegen auf Nahrungssuche in andere Gebiete. Ihre Flugrichtung wird maßgeblich vom Wind beeinflusst.
Bereits im Larvenstadium, wenn die Hüpfer noch flugunfähig sind, beginnen sie sich zu versammeln. Die Schistocerca gregoria durchläuft insgesamt fünf Larvenstadien. Erste Flügelansätze erkennt man ab dem dritten Larvenstadium, erst im fünften Stadium wachsen die Hüpfer von 7 mm auf 50 mm. Nach der Häutung zum erwachsenen Tier ist das Weibchen etwa 6 bis 7 cm lang, das Männchen etwas kleiner. Die Flügel sind nun voll ausgebildet.
Das Weibchen kann bis zu drei Mal etwa 70 bis 100 Eier pro Gelege produzieren. In der Regel sucht es sich dazu feuchten, warmen Boden aus. Bereits nach 12 Tagen können die ersten Larven schlüpfen. Nach weiteren drei bis vier Wochen folgt die letzte Häutung. Bei optimalen Bedingungen können bis zu drei Generationen im Jahr heranwachsen.
