Beer Schewa, in der Übersetzung „Sieben Brunnen“, ist die Wiege der jüdischen Besiedelung im Lande Kanaan, und seine Geschichte erstreckt sich ohne Unterbrechung über die letzten 6.000 Jahre. Bei Ausgrabungen seit 1969 auf dem Tel Beer Schewa (Tel=Hügel) wurde herausgefunden, dass dort ab 1100 vor der Zeitrechnung eine stark befestigte israelitische Stadt stand und diese auch in späteren Jahrhunderten besiedelt war. Insbesondere diente Beer Schewa als Truppenstation, z.B. für die Makkabäer, die Römer und die Byzantiner. Erst mit der arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert verfiel die Stadt. Eine neue Blütezeit begann mit dem Einzug der Türken. Wenig später entstand unter deutscher Beteiligung die Altstadt mit ihren rechtwinkligen Straßenzügen. Aus zwei Gründen war die Wiederbelebung Beer Schewas von enormer Bedeutung: Zum Einen als strategischer Punkt zum Suez-Kanal und zum Anderen als Schutz gegen die rebellierenden, teils untereinander konkurrierenden, Beduinenstämme.
Heute ist Beer Schewa die Hauptstadt der Wüste Negev mit über 200.000 Einwohnern sowie mehreren Tausend nicht als Beerschebaiten registrierten Bewohnern, meist Studenten der vier Universitäten. Im näherem Umfeld der Stadt liegen mehrere Satellitenstädte. Dazu gehören u.a. Omer, Lehavim, Mejtar, Sderot und Dimona. Insgesamt leben in dieser Wüstenregion mehr als eine halbe Million Menschen, und gemäß dem Willen der Regierung soll die Bevölkerungszahl in den nächsten Jahren verdoppelt werden, um das Ballungsgebiet von Zentralisrael zu entlasten. Als Unterstützung dazu wurde vom Jüdischen Nationalfonds – Keren Kayemeth LeIsrael (JNF-KKL) bereits 1995 der „Aktionsplan Negev“ ins Leben gerufen. So ist Beer Schewa eine Stadt, in der Vergangenheit und Zukunft aufeinander treffen.
Der JNF Deutschland e.V. konnte seither mit Hilfe seiner Freunde und Spender bereits mehrere Projekte für die Menschen im Negev verwirklichen. Dazu gehört vor allem der „Wald der deutschen Länder“ nahe Lehavim, die beiden Wasserreservoire „Yatir“ und „Nahal Oz“, der Olivenbaumpark in Mejtar, Picknick- und Rastplätze wie in Holit, Be’eri oder Chatzerim sowie verschiedene Limane. Nun soll mit dem Beith Eschel Park im Süden Beer Schewas ein neues, interessantes Aufforstungs- und Bildungsprojekt ins Leben gerufen werden.
Die Ländereien im Norden des Negev
wurden Beduinenstämmen 1936 abgekauft, aber zunächst weder bebaut noch
bepflanzt. Dies änderte sich mit dem
britischen Weißbuch von 1939, nachdem
Juden in Palästina kein Land mehr
erwerben durften. Den jüdischen Organisationen
in Palästina war bewusst, dass
mit dem Ende des Krieges in Europa mit
Tausenden von Einwanderern zu rechnen
war. Niemals hätten sie geglaubt,
dass dieser Krieg sechs Jahre andauern
und schon gar nicht, dass er mit sechs
Das Wasser im Brunnen von Beith Eschel soll wieder fließen
Das heutige Beith Eschel mit zum Teil noch altem Baumbestand und Beer Schewa im Hintergrund.
Im Vordergrund ist schon alles für den Park vorbereitet.
Millionen ermordeter Juden enden würde.
Sie wollten nur für zukünftige Einwanderer
bereit sein.
![]() Beith Eschel im Jahr 1944 |
Sie kamen zu dem Schluss, dass es zwingend notwendig war, die öde ausgedehnte Fläche des Negev als Option für spätere Besiedelung mit einzubeziehen. Und um das erworbene Land zu erhalten, musste es nun bearbeitet werden. So plante der KKL-JNF die ersten drei Ortschaften im Negev: Beith Eschel, Gvulot und Revivim. Dazu suchte er nach Wasserquellen, fand aber nur eine Quelle, die sich zehn Meter westlich des erworbenen Gebietes befand. Nach Gvulot und Revivim wurde hier Beith Eschel, zu deutsch „Haus der Tamariske“ in Anlehnung an Genesis 23,33 „Und er (Abraham) pflanzte eine Tamariske in Beer Schewa“, ins Leben gerufen.
Im August 1943 entstiegen einem Lastwagen fünf Menschen mit einigen Geräten und Vorräten. Der Lastwagen fuhr wieder zurück, und hier standen sie nun in einer totalen Einöde. Ohne irgendeine Art der Zeremonie begannen sie gleich am nächsten Morgen, ein erstes Feld zu pflügen. Danach folgte nach dem Muster von Gvulot und Revivim der Bau der Farm, die am Ende ein Moschaw, eine landwirtschaftliche Siedlung, werden sollte. Zunächst wurde dazu ein Innenhof mit einer Schutzmauer angelegt. Der einzige Eingang lag im Nord-Osten in Richtung Beer Schewa. Gegenüber entstand ein 5-räumiges Gebäude mit Holzbalken und gewölbten Decken: die Küche, der Speiseraum und drei Wohnräume. Einer dieser Räume war den Mitarbeitern des KKL-JNF und anderen Organisation vorbehalten.
![]() Das heutige Beith Eschel mit zum Teil noch altem Baumbestand und Beer Schewa im Hintergrund. Im Vordergrund ist schon alles für den Park vorbereitet. |
Eines der Gründungsmitglieder berichtet: „Wir lebten nur zwei Kilometer südlich von Beer Schewa, damals eine einsame Stadt mit einem Marktplatz in der Mitte. Einige Araber waren freundlich, andere weniger. Im Auftrag des KKL-JNF untersuchten wir die meteorologischen und landwirtschaftlichen Bedingungen in diesem Landstrich. Zu dieser Zeit (1944) waren wir 20 Männer und zwei Frauen. Weitere sollten nachkommen, sobald es die Bedingungen erlaubten.“ 1946 wurden die Kinder der Mitglieder nachgeholt zusammen mit einem Arzt, der vom KKL-JNF finanziert wurde. Die Farm konnte weiter ausgebaut werden.
Die wichtigsten Aufgaben der Farmmitglieder waren die Bewirtschaftung des Landes, mittlerweile 30.000 Dunam (3.000 Hektar), und damit einhergehend die Erforschung der klimatischen Verhältnisse und der Bodenbegebenheiten. Sie experimentierten mit Weizen und Hafer, suchten nach weiteren Wasserquellen, sammelten Regenwasser für die Futterpflanzen und kultivierten die ersten Bäume (Tamarisken, Eukalypten und Akazien), Obstplantagen und auch Gemüse. Man kann sagen, Beith Eschel war das erste Forschungszentrum des KKL. Und sie waren erfolgreich.
1947 wurde Beith Eschel an die Wasserleitung angeschlossen. Der Gründung eines ordentlichen, eingetragenen Moschaws stand nur eines entgegen: der bevorstehende Krieg. Denn im Vorfeld des UN-Teilungsbeschlusses hatte die Bedrohung durch die benachbarte arabische Bevölkerung begonnen. Bis jetzt war die Nähe zu Beer Schewa ein Vorteil gewesen, nun wurde sie zu einem Problem. Nachdem im August 1947 das erste Opfer zu beklagen war, trauten sich die Farmer nur noch mit Schutzpersonal nach draußen.
Der Teilungsbeschluss vom 29. November 1947 schnitt den Negev vom Rest des Landes ab. Damit waren Beith Eschel und die benachbarte Siedlung Nevatim auf sich alleine gestellt. Im Dezember wurde Nevatim angegriffen und die Beith Escheler eilten zu Hilfe. Die britische Polizei schlug eine Evakurierung vor, doch davon wollten die Farmer nichts wissen. Lediglich acht Mütter mit ihren elf Kindern verließen die Siedlung und wurden nach Kfar Vitkin gebracht.
Am 16. Mai 1948 eroberte die Ägyptische Armee auf ihrem Weg nach Hebron und Jerusalem Beer Schewa. Die in Beith Eschel von einst über 100 verbliebenen 50 Menschen bereiteten sich auf eine Belagerung vor. Bereits vier Tage später begann der erste massive Angriff. 200 Granaten und Mörser schlugen innerhalb neunzig Minuten ein. Dann positionieren sich die ägyptische Soldaten, marschierten vor ... und zogen sich wieder zurück. Warum, erfuhren die Beith Escheler durch einen Gefangen: Der Kommandeur war verletzt worden und man entschied, dass Beith Eschel viel zu unbedeutend war, um Verluste hinzunehmen. Denn deren Hauptaufgabe war die Einnahme Jerusalems. Doch genau dies wollten die Pioniere von Beith Eschel verhindern helfen.
Nichts desto trotz dauerte die Belagerung bis zum 20. Oktober 1948 an, dem Tag, an dem Beer Schewa durch die israelische Armee eingenommen wurde. In den fünf Monaten ihrer Isolation, in denen mehr als 3.000 Granaten ihre Häuser getroffen hatten, waren die Farmer aber nicht untätig. Sie gruben Gräben, befestigten die Mauern, bauten Bunker und Schutzräume, fast alles in Handarbeit. Nur wenige Versorgungswagen kamen in dieser Zeit zu ihnen durch. Nach der Befreiung fuhren die verbliebenen Farmer zu ihren Familien nach Kfar Vitkin. Sie sollten nicht wieder zurück kehren.
![]() Das Wasser im Brunnen von Beith Eschel soll wieder fließen |
Beith Eschel blieb verlassen und wurde vergessen. Die Überreste der Gebäude, die Gräben, das Brunnenhaus: stille Zeugen einer bewegten Vergangenheit. Jetzt, 60 Jahre später, soll das anders werden. Im Rahmen eines für die Region bedeutenden Projektes, dem Beer Schewa River Park südlich des im Sommer trockenen Flusses, wird auch Beith Eschel wieder zum Leben erweckt. Der Brunnen und einige Gebäude werden zur Zeit originalgetreu restauriert. Andere sollen als Relikte der Zeit stehen bleiben. Diese Aufgabe übernehmen die Freunde des Jüdische Nationalfonds Kanada.
Wir hier in Deutschland werden die
„Umrahmung“ übernehmen, eine Parkanlage,
in der sogar noch einige der alten
Bäume stehen. Unser Projekt beinhaltet
die Pflanzung von verschiedenen Baumarten,
dazwischen werden Wege und
auch ein Picknickplatz angelegt.
Ziel des Gesamtprojektes „Beith Eschel“
ist es:
- das historische Erbe zu bewahren und
zu ehren,
- einen Park für die im Beer Schewa Tal
einzigartige Wüstenlandschaft und
deren Flora zu erhalten und zu errichten,
- Schülergruppen (sie kommen schon
seit drei Jahren nach Beith Eschel) die
Anfänge der Wüstenlandwirtschaft zu
vermitteln und ihnen auch diesen Teil
der Geschichte Israels nahe zu bringen.
Dazu werden einige Räume entsprechend
ausgestattet.
An Festtagen wie Tu Bischwat (Neujahrsfest der Bäume) und Jom HaAtzmauth (Unabhängigkeitstag) wird Beith Eschel ganz besonders mit Leben gefüllt sein. Unser Park wird auch einer der Hauptzugänge zum Beer Schewa River Park. Dass die ganze Parkanlage barrierefrei wird, ist für uns selbstverständlich.
Diese Baumarten werden im Beith Eschel Park gepflanzt: Atlantikpistazie, Eukalyptus, Akazie und Rosenholz (Tipubaum) sowie die Obstbäume Pfirsich, Nektarine, Granatapfel, Pflaume und Apfel.
Über Ihre Spenden für dieses besondere Aufforstungs- und Bildungsprojekt freuen wir uns sehr und danken Ihnen schon heute für Ihre geschätzte Mithilfe.
Konto Nr. 100 500 7001
SEB AG (BLZ 500 101 11)
Stichwort: Beith Eschel
