Wie geht´s Israels Wäldern?
Bestandsaufnahme nach Krieg, Feuer und Dürre
Der Krieg im Norden, die Klimakrise im Süden und die totale Überlastung des Zentrums durch den kriegs- und evakuierungsbedingten Andrang von Menschen aus allen Landesteilen machten 2025 zu einem der schwierigsten Jahre für Israels Wälder. Die Untersuchungen unserer Waldspezialisten weisen auf erhebliche physische Schäden hin; aber auch langfristige ökologische Prozesse sind zum Teil schwer gestört. Doch trotz weiträumigen Brandflächen, kollabierender Wälder und geschädigter Ökosysteme markierte 2025 auch den Beginn einer Neubewertung der Planung, Wiederherstellung und Bewirtschaftung der israelischen Wälder. So gelangte man zu der Auffassung, dass es oftmals nötig ist, sich verändernden Realitäten anzupassen anstatt automatisch zu alten Praktiken zurückzukehren.
Nordregion: Wälder an vorderster Front
Die schwersten ökologischen Schäden wurden in Nordisrael verzeichnet. Bis Ende November 2024 waren fast 3.000 Hektar Waldfläche, die vom JNF-KKL verwaltet wird, abgebrannt. Zusammen mit Flächen ohne Verwaltung sind hier etwa 25.000 Hektar verbrannt.
Die Hauptschadensgebiete liegen in der Region Obergaliläa–Golanhöhen, wo mehr als
2.300 Hektar Land verbrannten, und in Untergaliläa, wo fast 400 Hektar betroffen waren.
Neben der Zerstörung der Vegetation wurden schwere Schäden an ganzen Ökosystemen verzeichnet. Dazu gehört die direkte Sterblichkeit von Tieren – darunter Säugetiere, Reptilien und Insekten – sowie indirekte Schäden durch den Verlust von Lebensräumen und Nahrungsquellen. Feuchtgebiete, auch saisonale Tümpel, die austrockneten, wurden in Mitleidenschaft gezogen.


Eine der schwerwiegendsten indirekten Folgen der Brandschäden an Pflanzen ist die Destabilisierung des Bodens, insbesondere in Bergregionen. Hierkommt es vermehrt zu Erdrutschen an Hängen und zum Einsturz von Terrassen – natürlichen und künstlichen.
Neben den Bränden hatten auch die Militärmanöver erhebliche Auswirkungen. Panzer und schwere Fahrzeuge mussten sich auch in Waldgebieten neue Zugangswege verschaffen, und die Stationierung und Lagerung von Truppen verursachte in großen Teile Galiläas weitreichende Schäden an Natur und Infrastruktur.
Shimon Elgarabli, Förster des JNF-KKL im Oberen Galiläa beschreibt, wie die Operationen gerade in der Anfangsphase des Krieges unter großem Druck durchgeführt wurden. Schäden an den Wäldern durch Brände und den Vormarsch von Panzerfahrzeugen und schwerem Gerät waren unvermeidbar. Im Lauf der Zeit vertiefte sich die Zusammenarbeit zwischen dem JNF-KKL und der IDF. „Es gelang es uns, ein gemeinsames Verwaltungsforum einzurichten, das einmal im Monat tagte, um Schäden zu minimieren, die Öffnung von Straßen zu regeln und die Aktivitäten vor Ort zu koordinieren“, sagt er. Für die Forstfachleute war diese Zeit sowohl persönlich als auch beruflich sehr herausfordernd.
Elgrabli erklärt, dass seine Familie zwar nach Tiberias evakuiert wurde, er aber in Galiläa blieb: „Drei Monate lang öffnete ich mein Haus für Soldaten, wo sie schliefen und aßen. Ich blieb im Feld, um Brände zu bekämpfen und den Wald so gut wie möglich zu schützen. Während der Kämpfe spürten wir neben unserer Verbundenheit zum Wald und zur Umwelt ein starkes Gefühl nationaler Verantwortung.“
Nachdem sich die Sicherheitslage stabilisiert hatte, begann der JNF-KKL mit ersten Wiederherstellungsmaßnahmen. Es wurden Sicherheitsrisiken wie gefährliche Bäume beseitigt und erste ökologischer Erhebungen durchgeführt. Dabei wurde zwischen Gebieten, in denen sich die Natur voraussichtlich von selbst regenerieren wird, und Gebieten, die Anpflanzungen und proaktive Maßnahmen erfordern, unterschieden. Vorläufige Schätzungen beziffern das Ausmaß der Umweltschäden in Nordisrael auf etwa 98,5 Millionen NIS.
Das Jahr 2025 markierte den Übergang von der Notfallbewältigung zur organisierten Wiederherstellung in den Wäldern des Nordens. Nach einer eingehenden Bewertung des Schadensausmaßes wurden die Prioritäten für sofortige, mittelfristige und langfristige Behandlung festgelegt. Ein Hauptziel war ab Anfang 2025 die Wiederherstellung und Sicherung öffentlicher Waldgebiete. Ein Augenmerk wurde auch auf Gebiete mit der Chance zu natürlicher Regeneration gelegt. Außerdem wurden frühzeitig Konzentrationen invasiver Arten erfasst.
Nach Beendigung der Bestandsaufnahme setzte der JNF-KKL drei parallele Maßnahmen um: die fortgesetzte Entfernung von Brandholz aus den betroffenen Gebieten; die Entwicklung von Umweltwiederherstellungsplänen nach dem Prinzip der Kombination von ergänzenden Anpflanzungen mit natürlicher Regeneration; die Vorbereitung von Standorten und die Anpflanzung entsprechend den Herbst- und Winterpflanzzeiten.


Südliche Region: Die Klimakrise trifft die Wälder
Die südliche Region des JNF-KKL, die mehr als 54 % des Staatsgebiets umfasst und etwa 53.000 Hektar angepflanzten Wald, Buschland und Naturwald einschließt, sah sich 2025 mit außergewöhnlichen Herausforderungen konfrontiert. Beschleunigte Wüstenbildung, anhaltende Dürre und Schäden durch sicherheitsrelevante Aktivitäten sowie wiederkehrende Brände durch feindliche Angriffe setzten die Wälder unter permanenten Druck und erfordern einen verstärkten Fokus auf die Wiederherstellung der geschädigten Ökosysteme.
Laut Gil Siaki, Direktor der Forstabteilung der Südregion des KKL, wurden die Maßnahmen das ganze Jahr über an die vorherrschenden klimatischen und sicherheitspolitischen Entwicklungen angepasst. Priorität hatte die Erneuerung von Altwäldern, die durch Baumsterben, Brände und menschliche Eingriffe geschädigt waren, sowie die Wiederherstellung von Gebieten, die in den letzten Jahren durch militärische Aktivitäten beschädigt wurden.
Zukünftige Anpflanzungspläne werden trockenheitsresistente einheimische Arten wie Johannisbrot (Ceratonia Siliqua) und Atlantische Pistazie (Pistacia Atlantica) einbeziehen, die breiten Schatten spenden; Jujube (Ziziphus Spina-Christi) und Tamariske sowie Akazienarten – Acacia Negevensis und Acacia tortilis – neben ausgewählten Eukalyptusarten. Diese Anpflanzungen werden von Methoden zur Regenwassernutzung begleitet, die Regenwasser in Pflanzgruben (Limane) sammeln, um langfristig einen stabilen und widerstandsfähigen Wald zu schaffen.
Zentralregion: Intensive zivile Aktivitäten und ein großer Waldbrand
Im Jahr 2025 dienten die Wälder Zentralisraels Hunderttausenden von Zivilisten als Zufluchtsort und Erholungsgebiet vor dem Hintergrund der Kämpfe im Norden und Süden und der Notwendigkeit, sich in der Nähe von Schutzgebieten aufzuhalten. Bewohner, die aus Kampfzonen evakuiert wurden, sowie Zivilisten, die Reisen in den Norden und Süden vermieden, suchten in den zentralen Wäldern Erholung und Stressabbau. Diese starke menschliche Präsenz hatte erhebliche Auswirkungen: ungewöhnlich hohe Abfallmengen, weit verbreiteter Vandalismus und Schäden an Forstanlagen und -infrastruktur. Im Jahr 2025 wurden rund 4.000 Tonnen Abfall aus den Wäldern der Zentralregion entfernt, was einem durchschnittlichen Anstieg von etwa 40 % gegenüber den beiden Vorjahren entspricht.
Neben der intensiven menschlichen Nutzung der Wälder waren die Gebiete in Zentralisrael extremen klimatischen Bedingungen ausgesetzt. Geringe Niederschläge und unregelmäßige Niederschlagsmuster wie kurze Perioden mit Starkregen führten zur Austrocknung ausgedehnter Waldbestände und erhöhten das Waldbrandrisiko zusätzlich zu den sonstigen Vorfällen, mit denen der JNF-KKL im Lauf des Jahres immer wieder zu tun hat.
Der Höhepunkt der Krise in der Zentralregion war der „Große Brand“, einer der verheerendsten Waldbrände in der Geschichte Israels. Er brach im Eschtaol-Wald in der Nähe von Moschav Tarum aufgrund von Fahrlässigkeit der Bevölkerung aus und breitete sich durch extreme Trockenheit und starke Winde rasend schnell aus. Das Feuer vernichtete etwa 650 Hektar im Eschtaol-Wald, sprang über alle sechs Fahrspuren der Autobahn 1 (der Hauptverkehrsader zwischen Jerusalem und Tel Aviv) und zerstörte weitere 600 Hektar im Ayalon-Canada-Park. Insgesamt wurden etwa 1.250 Hektar Wald, der über Jahrzehnte bewirtschaftet worden war, ein Raub der Flammen.


An den Löscharbeiten waren Mitarbeiter des JNF-KKL, Förster aus der Zentralregion, nationale Feuerwehr- und Rettungskräfte sowie Förster aus anderen Regionen beteiligt, die etwa 48 Stunden lang ununterbrochen arbeiteten, bis die Brandfronten unter Kontrolle gebracht waren. Unmittelbar nach dem Brand wurden die betroffenen Gebiete für die Öffentlichkeit gesperrt und erste Wiederherstellungsarbeiten eingeleitet, die mit der Entfernung von Gefahrenbäumen begannen.
Gleichzeitig richtete der KKL in der Zentralregion eine Expertengruppe ein, um einen langfristigen Sanierungsplan zu erarbeiten. Der Plan umfasst die Sanierung von Erholungsgebieten und Forstwegen, die Bewertung des natürlichen Regenerationspotenzials einzelner Bereiche und die anschließende Anpflanzung von Baumarten, die an die jeweilige Region und an die veränderten Klimabedingungen angepasst sind. Der Sanierungsprozess wird mehrere Jahre dauern und das Ziel verfolgen, die Wälder Zentralisraels wieder zu stabilen, sicheren grünen Oasen zu machen, in denen sich die gestressten Bewohner aufhalten und erholen können.
Yaron Ohayon, Direktor der Landentwicklungsverwaltung des JNF-KKL, resümiert:
„Das Jahr 2025 hat deutlich gemacht, wie wichtig die Wälder für Israels nationale, ökologische und psychologische Resilienz sind und wie verletzlich sie andererseits sind. Die gleichzeitige Konfrontation mit kriegsbedingten Schäden im Norden, der Klimakrise im Süden und der außergewöhnlichen Belastung der Wälder Zentralisraels zwingt uns, die Bewirtschaftung der Wälder zu überdenken. In den kommenden Jahren wird der Schwerpunkt auf vielfältigeren und widerstandsfähigeren Wäldern liegen, und Entscheidungen werden sich an die sich wandelnden Realitäten anpassen, anstatt zu versuchen, die Vergangenheit wiederherzustellen.“
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